Am Schlaatz gelandet!

Kiezreporter
// 05.03.2012 // Martina Wilczynski

Viel herum gekommen bin ich im Laufe meines Lebens. Als Berliner Pflanze mit Kindheit in der Uckermark begann 1973 mein Leben in Potsdam. Meinens  Vater und uns verschlug es aus Prenzlau kommend nach Potsdam. Hier trat mein Vater seinen Posten als Direktor der Binnenfischerei der ehemaligen Bezirke Potsdam und Magdeburg an. Zuerst wohnten wir in der Potsdamer Innenstadt mit Blick auf die wunderschöne Freundschaftsinsel. Dann wurden wir eine der ersten Bewohner des jungen Potsdamer Stadtteil Am Stern. Das war 1975.

Inzwischen habe ich schon in Babelsberg und in der Berliner Vorstadt gelebt. Seit 2004 bin ich Schlaatzbewohnerin. Zugegeben, es war nicht Liebe auf den ersten Blick. Und so manche Randnotiz gab es, die mir sagte "bloß weg hier - so bald es geht"! Aber ein Grund gegen das Weg war, dass hier die Mieten im Verhältnis zu anderen Ecken der Stadt moderat sind. Gelegentlich gibt es schon Überlegungen zu einem Umzug in die Bundeshauptstadt. Zugegeben, da gibt es Ecken,  wo ich mir vorstellen könnte, meine Zelte aufzuschlagen. Gut, ich plaudere mal ein wenig. In Friedenau oder in Schöneberg gäbe es diese. Nur weiss ich wirklich nicht, was mich dort neben dem kuscheligen, kiezähnlichen Charme erwartet. Vielleicht hätte ich ja im Haus ein paar totale Stinkstiefel als Nachbarn. Solche, die nicht grüßen und die einen nicht kennen wollen. Man weiss es eigentlich nie vorher, wenn man irgendwo hinzieht.

Aber inzwischen weiss ich, was ich hier im Kiez habe und was nicht. Und das bestimmt mein Gefühl für den Ort wo ich lebe. Sicher war ich nicht immer dieser Aufassung. Die musste ich mir erst einmal erkämpfen und den tieferen Blick dafür bekommen, was den Schlaatz ausmacht. Jahrelang lief ich an Häusern und Einrichtungen vorbei. Dann finde ich bei einem ruhigen Blick, dass dieses oder jenes Haus nach der Sanierung enorm an Form und Ausstrahlung gewonnen hat.   Auch wenn die Gartenanlage noch "aufgehübscht" wurde, dann empfindet ich das sehr wohl als einen Fortschritt in Richtung flächeneinnehmende Wohnumfeldverbesserung. Da hat sich ja hier Am Schlaatz in den letzten 20 Jahren sehr viel getan. Ein gutes Beispiele dafür ist der neu geschaffene Nuthewanderweg, ein viel frequentierter Weg, gerade auch bei schönen Wetter. Überhaupt spricht die Natur hier eine nicht ganz unbedeutende Sprache. Die Nuthe und die angrenzenden Wiesen geben Raum für Flora und Fauna vor der Haustür. Da kann die Seele gestreichelt, zum Sporttreiben Platz gefunden werden.

Aber auch die Aufwertung des Nuthewäldchens mit Spiel- und Klettergeräten und einigem gärtnerischen Tun kann als Faktor der Wohnortbindung gesehen werden. Dort schlägt zur Sommerszeit  die "Stadt der Kinder" ihre Zelte auf. Dann klopft es, sägt es munter vor sich hin. Kindergeschrei gepaart mit Baukunst mitten im Kiez. Eine tolle Kreation der vielen Partner aus der "Allianz für den Schlaatz " st das und hier nicht mehr wegzudenken. Als erstes Haus am Platz ist das Bürgerhaus am Schlaatz zu sehen. Ende der 90er Jahre wurde es Innen wie Aussen durchsaniert und der Funktionalität der heutigen Zeit angepasst. Neben diversen Workshops in Kunst, Gesundheit und Sport gibt es dort eine Sauna, Veranstaltungen mit großer Bandbreite und den Jugendclub Alpha. Ein multifunktionales Haus eben.

Daneben auch eine Einrichtung, die man zu den Juwelen des Kiezes zählen muss. Die Medienwerkstatt Potsdam. Dort kann man sich in allem was Filmarbeiten und was die modernen Medien ausmachen schlau machen und dazu lernen.

Gerne gucke ich zum Marktplatz und die angrenzende Schlaatzer Welle und die bereits sanierten Schulkomplexe. Allerdings wünsche ich mir sehr, dass der Marktplatz wieder ein lebendigeres Zentrum wird. So wie wir es schonmal hatten.Große Pläne werden gewälzt, die dem Platz ein neues Flair geben sollen. Noch sind die genaueren Nuancen nur im theoretischen Bereich zuerleben. Schön wäre es wirklich, wenn sich da im Lauf dieses Jahres endlich Bewegung abzeichnen würde. Mehr als Zeit wird es allemal!

Doch es ist nicht nur das, was den Schlaatz in seinem Wesen erklärt. Es sind die Menschen die hier leben. Und seit ich hier im Haus der Generationen und Kulturen arbeite, erkenne ich das immer öfter. Das sind die Menschen, die mit ihren vielen selbst organsierten Aktivitäten andere Menschen zusammenbringen, die damit das soziale Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Damit das schaffen, was als "den Kitt der Gesellschaft " bezeichnet wird.In vielerlei Weise. So mit Veranstaltungsformaten wie den Samowarabend, die Reihe aus Grau mach Bunt, Tagesfahrten zu einem schönen Ort, den Singespaß ,die Theaterprojekte, Kochen mit Tatjana, der Fotoclub, Teppichcurling, Malen für Kinder und nicht zuletzt der selbstorganisierte Deutschunterricht für Kontigentflüchtlinge. Hier fliessen viele Internationalitäten zusammen.Ein lebendiges Communityleben zeichnet den Schlaatz auch auf seine einzigartige Weise aus. Ob das die russische Community, die afrikanische Community, die der Vietnamesen oder die der aus den arabischen Ländern sind. Jeder bringt seine Einflüsse mit. Und das macht die Mischung aus.

Genauso wie das gut organisierte Mieterleben.So wie es der Mieterclub 20 im Schilfhof vorlebt. Hier wurde aus einer Not im Umgang miteinander, eine Tugend gemacht. Dieses Bemühen vom Quatiersmanagment, dem Vermieter selbst und nicht zuletzt einiger aktiv engagierten Mietern, ist es zu danken, dass hier ein positver Umkehrprozess geschehen konnte. Hier organisieren sich in unterschiedlichen Gruppen, in einer dafür zur Verfügung gestellten Wohnung. So im Schreibclub, bei der Hausaufgabenhilfe, feiert mehrmals im Jahr zusammen. Und hilft einander wo es geht. Das muss  alles erstmal in Erfahrung gebracht werden . Sowas wird ja  nicht vermutet, wenn an einem Haus vorbei gegangen wird. Um so schöner ist es und  beim Kiezrundgang  bewusst ist. Und genau das ist es,was mir sagt, hier bin ich schon richtig gelandet. Hier ist Wärme, hier ist enormes Potenzial zur weiteren Formgebung des Kiezes unterwegs. Und das macht das Leben und aktiv mitgestalten im Kiez, zu einer hochspannenden und dankbaren Aufgabe!

Herzliche Grüße und frohe Mitgestaltung in unserem  Kiezleben  -  hier Am Schlaatz!

Ihre und Eure Martina Wilczynski