Ein Beitrag für mehr Vielfalt im Schlaatz

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// 18.01.2021 // Jasmin Richter

Mit einem Neubau im Erlenhof will die pbg einen Kontrast zur Platte setzen.

Der Schlaatz war das letzte große Wohngebiet, das in Potsdam zu Zeiten der DDR gebaut und fertiggestellt wurde. Im Quartier hat die pbg ihren größten Bestand von allen Stadtteilen. Etwa 23 Prozent aller Wohnungen der Genossenschaft finden sich hier.

Das Ehepaar Tarnowski wohnt seit 2006 im Weidenhof. Mit dem Leben in der Genossenschaft und im Stadtteil sind sie auch nach so langer Zeit noch sehr zufrieden. „Wo finden sie eine 100 Quadratmeter große 5-Zimmer-Wohnung zu einem solchen Preis“, sagt Michael Tarnowski. „Wir haben hier viel Grün, viele Spielflächen, eine wunderbare Verkehrsanbindung und eine für mich sehr zufriedenstellende Infrastruktur, die sich in den letzten Jahren noch besser entwickelt hat.“ Die sechsfache (Patchwork-)Mutter Kerstin Tarnowski ist glücklich über die Grund- und die Gesamtschule im Quartier. Wäre da nur nicht das Müllproblem, hier sieht das Ehepaar vor allem die Stadt in der Pflicht.

Die pbg leistet ihren Beitrag für eine reibungslose Entsorgung, etwa im Erlenhof. Für die Bewohner der Hausnummern 1 bis 7 wurde das Mülltonnenhaus verlegt. „Die Mieter mussten vorher über 100 Meter laufen, jetzt haben die vier Aufgänge einen deutlich kürzeren Weg“, erläutert Projektmanager Marco Hofmann. Gemeinsam mit Bestandsverwalterin Christin Silbermann setzte er nicht nur den Müllplatz um, sondern kümmerte sich auch um die Verschönerung der großen Wandfläche am Erlenhof 1. „Passend zum Straßennamen und der Umgebung hat die Firma Art-EFX auf der Fassade einen Erlenzweig mit Vögeln gestaltet.“

Mit der Wandbemalung knüpft die pbg an frühere Traditionen an. Zu den Eigenarten des Komplexen Wohnungsbaus der DDR gehörte, dass es für jede größere Siedlung eine kulturell-künstlerische Konzeption gab. Das Leitmotiv des Kulturprogramms im Schlaatz waren die Nutheauen und deren Fauna und Flora. Das erklärt Namen wie Biberkiez, Sperberhorst, Schilfhof und eben auch den Erlenhof.

Großes hat die Genossenschaft auf dem zur Hausnummer 57 gehörenden Grundstück vor. Zuletzt stand hier ein griechisches Restaurant. Die pbg plant, das alte Gebäude abzureißen und den ersten Wohnungsneubau seit der Entstehung des Stadtteils zu errichten. „Wir wollen im Schlaatz eine gute Mischung der Sozialstruktur erreichen, aus meiner Sicht tut mehr Vielfalt einem Quartier gut“, erläutert dazu pbg-Vorstandsmitglied Marcus Korschow. „Dafür leisten wir mit dem Neubau unseren Beitrag. Hier wollen wir Wohnungen im mittleren Preissegment schaffen.“

Derzeit laufen die ersten Vorarbeiten. „Ein Planungsbüro wird für uns untersuchen, wie man den Baukörper am besten auf dem Grundstück platzieren kann.“ Derzeit sind zwei Entwürfe noch in der engeren Auswahl. Auf der Grundlage des endgültig ausgewählten Modells werden Grundrisse und Fassadenansichten konzipiert. Läuft alles nach Plan, dann stellt die Genossenschaft im ersten Halbjahr 2021 einen Bauantrag.

Bei der Gestaltung will die pbg die Besonderheiten des Standorts mit einbeziehen. Das Eckhaus wird an der sogenannten langen Linie stehen. Der Fußweg führt durch das gesamte Gebiet vom Biberkiez bis zum Magnus-Zeller-Platz und von dort bis zum Falkenhorst. Der Weg ist fast barrierefrei passierbar, mit wenig Risiken für Kinder und auch für in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkte Menschen gut nutzbar – eine großartige Leistung der damaligen Planer. „Wir wollen, dass sich die Umgebung in der Architektur wiederfindet“, sagt Marcus Korschow. „Die Gestaltung soll ein Signal als Kontrast zu den Plattenbauten setzen.“

Wie viel Wohnraum entsteht, hängt vor allem vom Wohnungsmix ab. „Wir tendieren eher zu großen Wohnungen, weil diese uns im Gesamtbestand der Genossenschaft fehlen“, so Korschow. „Ich halte es für realistisch, dass wir in der zweiten Jahreshälfte 2023 in die Vermietung gehen können.“

 

Fakten & Zahlen

■ Am Schlaatz hat die pbg 620 Wohnungen.

■ Ihr gehören damit 11 Prozent des Gesamtbestandes am Schlaatz.

■ Am Schlaatz leben gut 1.300 pbg-Mitglieder (ca. 40 Prozent).

■ Im Durchschnitt sind die Mitglieder dort 49 Jahre alt.

 

Quelle: Stadtspuren

Foto: Sandra Ohst | Die neue Fassade am Erlenhof 1.